Beliebt und bedroht [Der Raubfisch]

Aale stehen nicht nur bei uns Anglern hoch im Kurs, werden aber immer weniger. Martin Friedrichs hat recherchiert, was wir tun können, um untermaßige Fische zu schonen.

Leider gehört der Aal zu den Fischarten, die Köder häufig sehr tief schlucken, sodass es oft genug nicht mehr möglich ist, den Haken zu lösen. Die einzige Möglichkeit ist dann, das Vorfach abzuschneiden und den Aal samt Haken zurückzusetzen. Doch wie steht es mit seinen Überlebenschancen? Und können wir Angler vielleicht schon vorher Maßnahmen ergreifen, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen?

Verschiedene wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Sterblichkeit der Aale nach dem Zurücksetzen samt geschlucktem Haken bedauerlicherweise sehr groß ist. Die Hauptursache für das Verenden der Aale ist eine Verletzung des Verdauungstraktes. Das führt zu Blutungen und zum Eindringen von Verdauungssäften ins Körperinnere des Aals. Diese hohen Sterblichkeitsraten sind nur bedingt von der Größe des Hakens abhängig. Sowohl für sehr große, als auch für sehr kleine
Haken wurden Sterblichkeiten von 50 Prozent und mehr beobachtet – selbst wenn diese ohne Widerhaken sind.

Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung, dass Aale abgeschnittene Haken von allein wieder ausscheiden könnten, konnte Derartiges nur in Ausnahmefällen beobachtet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haken vom Aal eigenständig wieder ausgeschieden werden kann, nimmt allerdings zu, umso kleiner der Haken und umso größer der Aal ist.

Es ist also für uns Angler von großer Wichtigkeit dafür zu sorgen, dass untermaßige Aale eine möglichst geringe Chance haben, unseren Haken tief zu schlucken. Dieses Risiko kann zum einen durch einen möglichst frühen Anhieb minimiert werden, aber auch über die Hakengröße und Hakenform lässt es sich verringern. Die Wissenschaftler raten dazu, möglichst große Haken mit kleinen oder keinen Widerhaken zu verwenden. Dieser Vorschlag hat zwei Gründe: Zum einen ist so die Wahrscheinlichkeit verringert, dass kleine Aale unsere Köder überhaupt schlucken können. Zum anderen können große Haken das Lösen des Hakens bei untermaßigen Fischen enorm erleichtern. Außerdem haben die Versuche gezeigt, dass Kreishaken – auch als Circle- Hooks bezeichnet – das Risiko des Abschluckens des Köders ebenfalls enorm vermindern.

ZUM NACHLESEN

Weltersbach, M. S., Ferter, K., Sambraus, F., & Strehlow, H. V. (2016). Hook shedding and post-release fate of deep-hooked European eel. Biological Conservation, 199, 16-24.
Weltersbach, M. S., Strehlow, H. V., Ferter, K., Klefoth, T., de Graaf, M., & Dorow, M. (2018). Estimating and mitigating post-release mortality of European eel by combining citizen science with a catch-and-release
angling experiment. Fisheries research, 201, 98-108.

Dieser Artikel ist im Magazin „Der Raubfisch“ in der Ausgabe 04/2019 erschienen.

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