Rückkehrer [Der Raubfisch]

Die Lachse sind wieder da, und ein schonender Umgang sollte, wie mit allen Fischen, selbstverständlich sein. Martin Friedrichs sagt, wie es richtig gemacht wird.

Für uns Angler ist der Lachs etwas ganz Besonderes und daher auch in vielen Bundesländern ganzjährig geschont. Er muss dann sofort nach dem Fang zurückgesetzt wer den. Ein wesentliches Ziel der Schonmaßnahme ist es natürlich, die Laichbestände zu schützen. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn während des Aufstiegs gefangene Lachse auch wirklich am Laichplatz ankommen.

Norwegische Wissenschaftler haben das am Fluss Gaula, einem beliebten Lachsrevier in der Nähe von Trondheim, untersucht. Ein wesentliches Ergebnis war, dass eindeutig mehr markierte Lachse bei der Laichwanderung starben, nachdem sie von Anglern mit der Angel gefangen wurden als Fische, die mit Netzen im offenen Meer gefangen und markiert wurden.

Interessanterweise wurde die hohe Sterblichkeit nicht auf das Fangen selbst, sondern auf eine unsachgemäße Handhabung der Fische nach dem Fang zurückgeführt. Die geangelten Fische, die nicht gestorben sind, haben genau wie die anderen ihre Laichplätze erreicht. Lediglich die Fische, die sehr spät im Jahr geangelt wurden, haben danach deutlich geringere Strecken zurückgelegt und so vielleicht nicht die optimalen Laichplätze erreicht. Die Wissenschaftler schließen aus der Studie, dass Catch and Release generell keine Gefahr für die norwegischen Lachse bedeutet, wohl aber die falsche Handhabung. Das ist auch für uns Angler in Deutschland von großer Bedeutung und nicht nur für den Lachs. Auf den richtigen Umgang mit den Fischen kommt es an.

Wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Fische zurückgesetzt werden müssen, sollten wir so schonend wie möglich angeln. Das bedeutet zum Beispiel, dass unnötige Drillinge von Kunstködern entfernt und Drillinge im Allgemeinen durch Einzelhaken ersetzt werden. Bei der Naturköderangelei ist ein frühes Anschlagen fischschonend. Viele wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass bereits diese einfachen Maßnahmen die Überlebenschancen zurückgesetzter Fische enorm erhöhen. Optimal ist es, wenn der Fisch gar nicht erst mit der Luft in Berührung kommt, die Haken also bereits im Wasser gelöst werden können. Ist das nicht möglich, verringern gummierte Kescher Verletzungen der Schleimhaut ganz erheblich. Auch darf die Schleimhaut keinesfalls mit trockenen Händen berührt werden. Eine feuchte Unterlage zum Hakenlösen ist ebenfalls Pflicht. Die Prozedur muss so schnell wie möglich durchgeführt werden. Bei sehr tief sitzenden Haken kann das Kappen der
Schnur besser sein als eine langwierige Operation.

Ganz allgemein zeigt die Untersuchung der Norweger, wie entscheidend es für die Überlebenschancen zurückgesetzter Fische ist, dass wir uns bereits vor dem Angeln Gedanken machen und mit der entsprechenden Ausrüstung am Wasser erscheinen. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, ob zurückgesetzt wird, weil der Fisch in der Schonzeit gefangen wurde, untermaßig ist oder weil vielleicht große Laichtiere durch Entnahmefenster geschont werden sollen.

ZUM NACHLESEN

Eine kurze Zusammenfassung der norwegischen Studie zum Nachlesen in englischer Sprache gibt es hier.

Dieser Artikel ist im Magazin „Der Raubfisch“ in der Ausgabe 02/2019 erschienen.

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