Ins Auge geschaut [Der Raubfisch]

Für die meisten Räuber ist das Sehvermögen der Schlüssel für den Jagderfolg. Martin Friedrichs hat das des Barsches unter die Lupe genommen.

Das Auge von Fischen ähnelt auf dem ersten Blick schon sehr dem eines Menschen, und doch gibt es wesentliche Unterschiede. Für uns Angler können diese eine entscheidende Rolle spielen. Betrachtet man das Auge eines Fisches, fällt zunächst auf, dass sich die Größe der Linse, also der schwarze Fleck im Zentrum, nicht verändert. Das liegt daran, dass die Öffnungsweite der Pupille größer ist als die Linse selbst. Somit kann, anders als beim Menschen, die Menge des einfallenden Lichts nicht mithilfe der Pupille reguliert werden. Es gibt aber verschiedene Mechanismen, mit denen auch Fisch ein begrenztem Maße steuern können, wie viel Licht auf die Zellen der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen trifft. Wir Menschen verkleinern dazu einfach unsere Pupille. Wird es Fischen allerdings zu hell, müssen sie in dunklere Bereiche des Gewässers ausweichen.

Ein zweiter ganz wesentlicher Unterschied ist das Nah- und das Fernsehen. Das Fischauge ist immer auf das Nahsehen eingestellt. Die Linse selbst kann in ihrer Form nicht verändert wer- den. Anders als beim Menschen wird daher, um in die Ferne zu schauen, nicht die Linse verformt, sondern die gesamte Linse nach hinten gezogen. Das heißt, die generelle Funktionsweise des Fischauges unterscheidet sich zwar von der des mensch- lichen Auges, im Speziellen funktioniert aber vieles oft ähnlich, was am Beispiel des Barsches zu erkennen ist.

Wie zuvor bereits erwähnt, nutzen auch Barsche Stäbchen und Zapfen als lichtempfindliche Zellen. Stäbchen für die Unter- scheidung von hell und dunkel, Zapfen für das Farbsehen. Bei ausgewachsenen Barschen ist das Verhältnis von Stäbchen zu Zapfen 10:1. Es scheint daher, dass besonders die Wahrnehmung von Kontrasten eine wesentliche Rolle für Barsche spielt. Das passt zu der gesteigerten Aktivität von Barschen in Dämme- rungsphasen. Aber auch das Farbsehen ist von Bedeutung. Das Absorptionsmaximum der verschiedenen Zapfen liegt zwi- schen 530 und 620 nm. Das heißt, dass grüne und gelbe Töne besonders gut erkannt werden. Die markante Gelbfärbung des Barschauges wiederum verhindert, dass sehr kurzwelliges Licht ins Auge eindringen kann. Farben im blauen und violetten Bereich können daher nicht wahrgenommen werden. Auch UV-aktive Köder machen bei der Barschangelei keinen Sinn, da auch dieser Effekt vom Barschauge nicht erkannt werden kann.

Beim Vergleich mit dem Sehvermögen von Hecht und Zander schneidet das Barsch- auge unterschiedlich ab. Hinsichtlich Sehschärfe ist es eine Präzisionswaffe. Während beim Hecht das Zurückziehen der Linse im We- sentlichen durch einen Muskel gesteuert wird, sind es beim Barsch gleich vier für diese Bewegung. Das ermöglicht eine wesentlich feinere Justierung der Linse. Ein Stahlvorfach beispielsweise kann daher von beiden Arten durchaus unter- schiedlich wahrgenommen werden.

Für bestes Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen fehlt dem Barschauge das sogenannte Tapetum lucidum. Diesen „Rest- lichtverstärker“ hinter der Netzhaut besitzt der Zander. Was das Dämmerungssehen und dabei insbesonsere das Erkennen von Kontrasten betrifft, kann der Barsch mit dem Zander nicht mit- halten.

Dieser Artikel ist im Magazin „Der Raubfisch“ in der Ausgabe 03/2018 erschienen. 

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